Auf den ersten Blick unterscheidet Ecosia sich nicht wesentlich von anderen Suchmaschinen. Nutzer*innen geben einen Suchbegriff in die Suchmaske ein und erhalten in nur wenigen Sekunden übersichtlich präsentiert relevante Ergebnisse und Antworten auf ihre Anfragen. Die Wahl der bevorzugten Suchmaschine ist aber nicht nur eine Frage der besten Technologie, sondern auch eine Möglichkeit, das Internet nachhaltiger und sicherer zu gestalten.
Google: Marktführer und Spitzenreiter bei CO2-Emissionen
Statt Experten zu fragen oder in Büchern nachzuschlagen, greifen wir auf der Suche nach Informationen, Produkten oder Dienstleistungen intuitiv auf Suchmaschinen zu. In der Regel nutzen wir dabei Google. Und das Suchen mit einer Suchmaschine heißt im Volksmund nicht umsonst „googeln“: Mit einem Marktanteil von fast 80 Prozent weltweit ist der Suchmaschinengigant unangefochtener Marktführer bei der Desktop-Suche und hat mit 94 Prozent auch bei der mobilen Suche die Nase vorn (Quelle: Statista).
In Deutschland ist Googles Marktmacht sogar noch größer. Führend ist Google aber auch in puncto CO2-Emissionen – laut dem jährlichen Nachhaltigkeitsbericht des Konzerns lagen dessen CO2-Emissionen 2023 bei 14,3 Millionen Tonnen und damit 48 Prozent höher als noch 2019 (s. Tagesschau-Artikel). Das erklärte Ziel, bis 2030 Netto-Null-Emissionen zu erreichen, klingt vor dem Hintergrund eher unrealistisch. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Integration von KI-Anwendungen mit mehr Rechenleistung, zusätzlicher technischer Infrastruktur und damit einem weiter steigenden Energiebedarf verbunden ist. Um klimaneutral zu arbeiten, wird mehr nötig sein, als nur auf Wind- und Solarenergie umzusteigen.
Datenschutz und Polarisierung
Googles Einfluss ist aber nicht nur zweifelhaft wegen der Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch auf die Gesellschaft. Immerhin muss sich der Konzern irgendwie finanzieren, und das tut er insbesondere durch das Schalten von Werbung. Marketing ist immer dann besonders effizient, wenn es personalisiert ist. Wie kann man eine bestimmte Gruppe von Menschen dazu bringen, etwas anzuklicken und dann auch zu kaufen? Um das herauszufinden, sammelt Google Daten im großen Stil.
Das hört nicht bei der Suchmaschine auf. Verbraucher, Websitebetreiber und Unternehmen greifen in großer Zahl auf Google-Dienste zurück: Google Drive, Android auf dem Handy, Google Analytics, mit dem Websitebesitzer die Nutzungsdaten von ihrer Website sammeln können, Chrome als Browser, Maps mit Standortverfolgung bis hin zu Youtube und mehr…
Woran ich dabei denken muss: Ist etwas kostenlos, bist du selbst die Ware.
Viele Nutzer wissen das und versuchen, es irgendwann auszublenden. Auch ich wusste das und war wohl noch nicht motiviert genug, etwas dagegen zu tun. Bis eine Dozentin an der Uni uns Alternativen vorgestellt hat. Ihr Hauptargument:
Wenn man eine bestimmte Meinung hat, werden personalisierte Medien immer dazu führen, dass man sich selbst in dieser Meinung bestätigt fühlt. Ohne eigenen Antrieb werden wir nicht mit anderen Informationen und Argumenten konfrontiert und müssen nichts hinterfragen. Das gilt für Rassismus beispielsweise ebenso wie für Verschwörungstheorien.
Dass solche Algorithmen dazu führen, dass Horrorszenarien und Hetzte besser laufen als positive Nachrichten, neutrale Informationen und Besonnenheit, ist ebenso bekannt. Nun ist es bei den Sozialen Medien beispielsweise schwerer, eine Alternative zu finden, und das eigene Netzwerk dabei nicht zu verlieren. Bei Suchmaschinen oder dem Internetbrowser geht es dagegen zum Glück richtig einfach.
Was ist Ecosia?
Ecosia ist eine dieser möglichen Alternativen. Sie ist eine grüne Suchmaschine, die als nachhaltige Alternative zu Google & Co. 2009 vom deutschen Unternehmer Christian Kroll gegründet wurde. Als sogenanntes B Corp-Unternehmen hat sich Ecosia verpflichtet, neben finanziellen Gewinnen auch soziale und ökologische Ziele zu verfolgen. Damit unterscheidet Ecosia sich grundlegend von profitgetriebenen Konzernen wie Google.
Was bedeutet B Corp?
B Corp ist eine international anerkannte Auszeichnung für Unternehmen, die einen positiven Effekt auf Gesellschaft und Umwelt haben. Weltweit gibt es über 8.000 zertifizierte Unternehmen, darunter auch die deutsche Firma KoRo.
Man kann Ecosia als Standardsuchmaschine auswählen (Anleitung siehe unten) und seit 2024 gibt es sogar einen Ecosia Browser für den Desktop. Der hat einen integrierten Ad-Blocker, wie man es schon vom Handybrowser kennt. Zusätzlich bringt er sogar die Funktion mit, Cookie-Banner automatisch zu beantworten, wo möglich. Ecosia verspricht außerdem, für jeden Nutzungstag 25 kW erneuerbare Energie zu produzieren.
Wie funktioniert Ecosia?
Für die Nutzer*innen unterscheidet sich die Funktionsweise von Ecosia nicht von anderen Suchmaschinen. Genau genommen ist Ecosia allerdings keine vollwertige Search Engine. Denn das Unternehmen hat bislang (siehe unten) aus Kostengründen darauf verzichtet, einen eigenen Suchalgorithmus zu entwickeln und zu pflegen. Stattdessen greift die sogenannte Proxy-Suchmaschine auf den Index und damit die Suchergebnisse von Microsoft Bing und Google zu.
Google kam erst im September 2023 dazu und man kann die Präferenz selbst in den Ecosia Einstellungen festlegen. Viele haben Bedenken, weil Bing den Ruf hat, dass die Ergebnisse zu wünschen übrig lassen. Das war wohl auch der Beweggrund für diese Entscheidung.
Aber Bing funktioniert doch nicht sonderlich gut? Das dachte ich auch und war dementsprechend skeptisch. Will man auf Google verzichten und wählt Bing als Standard, gibt es weiterhin eine einfache Lösung bei schlechten Ergebnissen: Man gibt das Suchwort ein, gefolgt von #g und wird direkt zu den Ergebnissen von Google weitergeleitet. In vielen Jahren Ecosia-Suche musste ich wirklich nur selten darauf zurückgreifen.
Wie erscheint man in den Suchergebnissen am besten weit oben? Darüber habe ich einen Blogbeitrag geschrieben: Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung einfach erklärt.
Beim Ecosia Browser ist es übrigens ähnlich. Er basiert auf Chromium, dem Open-Source-Projekt, auf dem auch Google Chrome aufbaut. Dies ermöglicht eine ähnliche Benutzererfahrung wie bei Chrome, ergänzt durch Funktionen wie einen integrierten Werbe- und Tracking-Blocker.
Auch Ecosia finanziert sich zuallererst durch gesponsorte Links, also Werbung. Der Unterschied zu Google ist, dass der Großteil der Einnahmen dazu verwendet wird, Bäume zu pflanzen. Ecosia deckt mit den Werbeeinnahmen zunächst seine operativen Kosten und nutzt den Überschuss zu 100 Prozent für Klima- und Umweltschutzprojekte. Davon kann man sich selbst in regelmäßigen Geschäftsberichten überzeugen (yay, Transparenz).
Pünktlich zu meinem Blogbeitrag wird bekannt: Ecosia will unabhängiger von Google und Microsoft werden und gemeinsam mit Qwant seinen eigenen Algorithmus entwickeln. Die Umstellung soll in den nächsten Jahren schrittweise erfolgen, weshalb es aktuell immer wieder mal Änderungen gibt.
Ecosia Datenschutz: sicher und anonym suchen
Viele Nutzer*innen wählen Ecosia statt Google auch deshalb, weil man standardmäßig anonymer surft. Der verantwortungsvolle Umgang mit Daten und die Privatsphäre werden hier großgeschrieben. Ecosia speichert keine persönlichen Daten dauerhaft und erstellt keine persönlichen Profile. Zum Vergleich: Google anonymisiert IP-Adressen erst nach neun Monaten, Ecosia spätestens nach sieben Tagen.
Im Umkehrschluss bedeutet das für Unternehmen, die auf der Plattform werben: Die Anzeigen auf Ecosia Ads werden rein anhand der Suchanfrage personalisiert, aber nicht anhand von anderen Kriterien, wie früheren Suchanfragen, Interessen oder Kaufverhalten. Dieser Personalisierung müssen Nutzende aktiv zustimmen. Sie betrifft allerdings auch dann nur Suchergebnisse und nicht Werbeanzeigen.
Mit Werbegeldern Biodiversität fördern
Bei jeder Suche, die über die Search Engine des Berliner Unternehmens durchgeführt wird, fließt also ein Teil der Einnahmen in die Aufforstung von Wäldern in über 35 Ländern auf der ganzen Welt. Seit Gründung des Unternehmens wurden 88.624.857 Euro für den Klimaschutz aufgewendet. In Bäumen ausgedrückt ergibt das die Zahl 216.477.481 (Quelle: https://www.ecosia.org – Stand 06.10.2024).

Entscheidend für den Erfolg des Projekts und die Verbesserung der Klimabilanz ist es, die richtigen Bäume am richtigen Ort zu pflanzen. Das heißt, es werden endemische Bäume (spezifisch für das Gebiet und nicht unkontrolliert ausbreitend) gepflanzt. Eine Mischung heimischer Baumarten, die in enger Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort gepflanzt werden, fördert zudem die Biodiversität.
Social Business statt Profitgier und Treibhausgasemissionen
Nach eigenen Angaben von Ecosia braucht es durchschnittlich 45 Suchanfragen, um einen Baum zu pflanzen. Das heißt, alle Nutzer*innen der Suchmaschine unterstützen die grüne Sache, wenn sie für Suchanfragen Ecosia statt Google und Co. nutzen.
Natürlich hinterlässt Ecosia wie alle digitalen Plattformen auch einen ökologischen Fußabdruck. Die Server, die die Suchanfragen verarbeiten, verbrauchen Strom und verursachen CO2-Emissionen. Allerdings wird die benötigte Energie mit eigenen Solarpanels erzeugt. Aktuell wird nur die Hälfte der erzeugten Energie verbraucht – es könnten also noch viel mehr Suchanfragen klimaneutral beantwortet werden!
Ecosia: Kritik, Nachteile und Probleme
Ecosia bietet eine einfache und effektive Art, das tägliche Surfen im Internet mit einem positiven Beitrag zum Umweltschutz zu verbinden und die eigene Privatsphäre zu schützen. Allerdings ist auch bei Ecosia nicht alles grün und es gibt ebenso kritische Stimmen.
Echter Impact oder Greenwashing?
Zum einen steht immer wieder der Vorwurf des Greenwashings im Raum. Bäume pflanzen allein wird den Klimawandel nicht aufhalten. Außerdem sind Aufforstungsprojekte ein sehr komplexes Thema. Hier spielt es eine große Rolle, in welchen Regionen Bäume gepflanzt werden.
Wirklich sinnvoll ist es, Bäume in den Tropen zu pflanzen. Die Wirkung von Pflanzungen in gemäßigten Zonen bleibt dagegen oft aus, ist im schlechtesten Fall sogar kontraproduktiv: Insbesondere, wenn die falschen Bäume gepflanzt werden oder sie Bäumen, die sich von selbst weitervermehren würden, den Platz wegnehmen.
Gleichzeitig ist es wichtig, zu verstehen, dass nicht jede Suchanfrage dem Unternehmen direkt Einnahmen verschafft. Erst wenn Nutzer*innen auf eine Anzeige in den Suchergebnissen klicken, kommen Spendengelder zusammen. Dennoch trägt jeder und jede Einzelne dazu bei, dass die Suchmaschine beliebter wird und damit häufiger von Unternehmen als Werbeplattform in Betracht gezogen wird.
Starke Abhängigkeit von Partnern
Eine weitere Kiritik an Ecosia ist die Abhängigkeit von seinen Partnern. Ecosia schickt (bislang) keine eigenen Crawler los, um Milliarden von Websites zu durchforsten und zu indexieren. Die Arbeit, mithilfe komplexer Algorithmen aus einer Flut von Informationen relevante Ergebnisse und Antworten für Nutzer*innen zu finden und übersichtlich zu präsentieren, entfällt.
Stattdessen setzt die Suchmaske auf die Ergebnisse von Microsoft Bing und mittlerweile auch auf die Suchergebnisse von Google. Gut für die Nutzer*innen, die damit von Suchergebnissen profitieren, die mit Google und Bing nahezu identisch sind. Da diese aber in Bezug auf Datenschutz und Umweltschutz alles andere als vorbildlich agieren, sehen Kritiker in der Partnerschaft eine Aufhebung des Alleinstellungsmerkmals, mit dem Ecosia wirbt.
Umweltsünder am Pranger
Eine weitere Funktion auf Ecosia ist manchen Unternehmen und potenziellen Werbekunden wohl ein Dorn im Auge: Durch ein grünes Blatt oder ein Kohlekraftwerk werden in den Suchergebnissen auf einen Blick umweltfreundliche und umweltschädliche Unternehmen gekennzeichnet. Das soll Suchende etwa bei Kaufentscheidungen unterstützen.

Während besonders nachhaltige Unternehmen und Organisationen in den Suchergebnissen mit einem grünen Blatt gekennzeichnet werden, erkennen Suchende Unternehmen, die nach wie vor für den umweltschädlichen Ausbau des Kohleabbaus unterstützen, am Kohlekraftwerk-Icon. Basis der Kennzeichnung bildet beispielsweise die Global Coal Exit List.
Kritiker sehen hier allerdings eine Wettbewerbsverzerrung, da die Kennzeichnung der Klimaengel und Klimasünder nicht vollständig ist. Der Grund dafür ist, dass die Identifikation und Indexierung dieser Domains manuell erfolgt. Gerade kleine Unternehmen (falls jemand mal mit Leuten von Ecosia spricht: ich fehle! 😉) werden dadurch benachteiligt. Entsprechend besteht hier noch Nachholbedarf.
Ecosia als Standardsuchmaschine einstellen
Wer Chrome bzw. Android nutzt, weiß oft gar nicht, dass man nicht gezwungen ist, Google als Standardsuchmaschine zu verwenden. Tatsächlich hat Google einem das Umstellen die längste Zeit nicht einfach gemacht (sehr uneigennützig, oder?). Durch eine Vorgabe der EU wurde aber für fairen Wettbewerb gesorgt und Ecosia lässt sich ziemlich einfach als Standardsuchmaschine einstellen.
In nur wenigen Schritten kann Ecosia in den gängigsten Desktop-Browsern verwendet werden wie:
- Chrome
- Safari
- Edge
- Firefox
- Brave
- Vivaldi
- Opera
Je nach Browser und Betriebssystem sind unterschiedliche Schritte erforderlich, um Ecosia als Standard für Suchanfragen festzulegen. In Safari beispielsweise ist nur ein Klick auf die Lupe in einem Tab oder einem Fenster notwendig, um Ecosia auszuwählen. In Chrome dagegen führt der Weg über die Einstellungen, es sei denn, man hat Chrome neu installiert. Dort kann unter dem Menüpunkt Ecosia als Search Engine ausgewählt und festgelegt werden.
Eine ausführliche Anleitung, um Ecosia als Standardsuchmaschine in allen gängigen Browsern einzustellen, finden Sie im Hilfebereich von Ecosia.
Warum Unternehmen Ecosia eine Chance geben sollten
Ecosia mag kein global agierender Gigant und die Kritik zum Teil berechtigt sein. Dennoch ist mit dem Konzept ein Schritt in Richtung ethisches Marketing gemacht, das einen Beitrag leistet, um nachhaltige Unternehmen und Kunden, die Wert auf Umweltschutz, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung legen, zusammenzubringen.
Unternehmen, die auf Ecosia werben, zeigen, dass sie ebenfalls Wert auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung legen. Gleichzeitig erreichen sie auf dieser Plattform gezielt eine engagierte und umweltbewusste Zielgruppe, die bereit ist, Produkte oder Dienstleistungen von Unternehmen zu kaufen, die sich für die gleichen Ziele einsetzen.
Sie profitieren in ihrer Zielgruppe von einem positiven Markenimage und unterstützen mit ihren Werbegeldern die Aufforstungsprojekte von Ecosia. Dabei nutzen sie das Anzeigen-Netzwerk von Bing. Aufgrund der geringeren Nutzerzahlen im Vergleich zum Suchmaschinengiganten Google ist der Cost per Click (CPC), also die Kosten pro Klick, tendenziell niedriger. Der günstigere Preis dürfte insbesondere Unternehmen mit kleineren Werbebudgets entgegenkommen, die ihre Zielgruppe auf Ecosia zu einem vergleichsweise geringen Preis effektiv ansprechen können.
Fazit: Werbung mit positivem Impact
Für Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit und soziales Engagement Wert legen, bietet Ecosia eine einzigartige Plattform, um ihre Werbebotschaften zu verbreiten. Anzeigen auf Ecosia erreichen eine wachsende, umweltbewusste Zielgruppe und kombinieren effektive Werbung mit einem direkten Beitrag zu einem globalen Aufforstungsprogramm. Dies stärkt nicht nur das Markenimage von Unternehmen, sondern bietet ihnen auch eine kosteneffektive Möglichkeit, in einem ethisch vertretbaren Rahmen zu werben.
In Zeiten, in denen immer mehr Verbraucher:innen Wert auf nachhaltige Produkte und Dienstleistungen legen, bietet Werbung auf Ecosia Unternehmen die Möglichkeit, sich durch nachhaltiges Handeln und Verantwortungsbewusstsein zu differenzieren und sich dadurch einen echten Wettbewerbsvorteil verschaffen.
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Schauen wir gemeinsam, wie das für Sie aussehen kann!
